Neologismus im Deutschen

In diesem Artikel erfährst du alles Wissenswerte zum Neologismus im Deutschen. Was ist ein Neologismus? Wie entsteht ein Neologismus? Wie erkenne ich einen Neologismus? Und welche Wirkung hat der Neologismus?

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Neologismus?
Wie entsteht ein Neologismus?
Wie erkenne ich einen Neologismus?
Welche Wirkung hat der Neologismus?
Zusammenfassung

Was ist ein Neologismus?

Ein Neologismus ist eine Wortneuschöpfung. Das heißt einfach gesagt: Ein Neologismus ist in der Regel ein Wort, das neu in der jeweiligen Landessprache ist. Du kannst dir merken: Mit einem Neologismus wird in der Regel eine neue Bedeutung erschaffen. Klassische Neologismen sind Fremdwörter aus anderen Sprachen, die in das Deutsche übernommen werden wie zum Beispiel Anglizismen. Es können aber auch bereits bekannte deutsche Wörter eine neue Bedeutung erhalten. Außerdem können durch unterschiedliche Wortbildungsmethoden komplett neue Wörter entstehen.

Den Neologismus findest du im Alltag ganz regulär im Sprachgebrauch und auch als rhetorisches Stilmittel.
In der Umgangssprache werden Neologismen aus unterschiedlichen Gründen verwendet: Neue gesellschaftliche Situationen und Phasen erfordern neue Wörter (wie zum Beispiel die Corona-Pandemie oder die aktuellen Entwicklungen mit KI). Viele Neologismen werden aus Fremdsprachen durch die sozialen Medien übernommen. Außerdem können Neologismen Aussagen verkürzen, man kann also schneller und einfacher etwas ausdrücken. Wie du bestimmt weißt, lässt sich auch nicht immer alles 1 zu 1 von einer in eine andere Sprache übersetzen. So werden Neologismen auch verwendet, um die exakte Bedeutung auszudrücken.

Als rhetorisches Stilmittel soll der Neologismus in der Regel eine bestimmte Wirkung erzielen oder eine spezielle Bedeutung erfassen.

Zum Beispiel:

  • Corona-Krise
  • Klimakleber
  • Coronavirus
  • Minni McG
  • Homeoffice
  • prompten
  • Thestrale
  • KI-Revolution
  • Gum-Gum-Frucht
  • Azubi/Azubine
  • Rumgerenne
  • actimelisiert
  • Zwambo
  • Lehrkraft
  • Lernende
  • Hackis
  • Corona-Warn-App
  • geiern

Wie entsteht ein Neologismus?

Neologismen können ganz unterschiedlich entstehen: Es können Entlehnungen aus Fremdsprachen sein, sie können durch verschiedene Wortbildungsphänomene (z.B. Derivation, Komposition) gebildet werden oder auch komplette Kunstwörter darstellen.

Entlehnungen aus Fremdsprachen

Ein Neologismus kann entstehen, wenn Wörter aus Fremdsprachen entlehnt werden. Das heißt: Aus einer fremden Sprache wird ein Wort ins Deutsche aufgenommen. Lehnwörter zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch einen komplexen Sprachwandelprozess in die deutsche Sprache integriert werden. Das bedeutet: Sie erhalten Eigenschaften deutscher Wörter und werden gemäß der deutschen Grammatik konjugiert, dekliniert und kompariert.

Zum Beispiel:

  • googeln
  • Homeoffice
  • prompten

Derivation

Die Derivation ist eine Wortbildungsmethode, bei der neue Wörter gebildet werden, indem eine Vorsilbe (Präfix) oder eine Nachsilbe (Suffix) an einen Wortstamm gehängt werden.

Zum Beispiel:

  • Lehrkraft
  • actimelisiert
  • Rumgerenne

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Komposition

Die Komposition kennst du vielleicht schon von den Komposita (zusammengesetzte Wörter). Die Komposition ist eine Wortbildungsmethode, bei der ein neues Wort aus bereits zwei bestehenden gebildet wird.

Zum Beispiel:

  • Klimakleber
  • Corona-Krise
  • Corona-Warn-App

Konversion

Die Konversion ist eine Wortbildungsmethode, bei der ein neues Wort gebildet wird, ohne dass das Ursprungswort verändert wird. Das Wort wechselt dabei ohne sich zu verändern lediglich die Wortart. Aktuell findest du die Konversion häufig, wenn gegendert wird: Sehr viele Partizip 1- Formen (Partizip Präsens) sind zu Nomen geworden (das nennt man auch Substantivierung) und werden als genderneutrale Personenbezeichnungen verwendet.

Zum Beispiel:

  • Mitarbeitende
  • Lesende
  • Lernende

Kunstwortbildung

Bei der Kunstwortbildung werden komplett neue Phantasiewörter (also Kunstwörter) gebildet. Das ist keine Wortbildungsmethode. Oft findest du in Büchern oder Filmen verrückte Namen für Figuren oder Gegenstände. Dabei handelt es sich in der Regel um Kunstwörter und damit um Neologismen.

Zum Beispiel:

  • Sauron
  • Thestrale
  • Gum-Gum-Frucht

Kürzung/Kurzwortbildung

Bei der Kürzung bzw. Kurzwortbildung wird ein bereits bekanntes deutsches Wort verkürzt und dadurch entsteht ein neues Wort. Diese verkürzte Variante des eigentlichen Wortes wird aber genauso als reguläre Bezeichnung verwendet. Du erhältst also zwei Bezeichnungen für dasselbe Wort.

Zum Beispiel:

  • Azubi/Azubine ( Auszubildende)
  • Studie ( Studierende)

Welche Wirkung hat der Neologismus?

Zunächst einmal: Der Neologismus ist nicht verpflichtend. Du musst keinen in deinen Sprachgebrauch einbauen, um korrekt Deutsch zu sprechen. Es kann aber hilfreich sein, wenn du weißt, wie sie wirken, falls dir ein Neologismus begegnet. Neologismen findest du häufig als rhetorisches Stilmittel in den sprachlichen Künsten und auch in der Jugendsprache. Dabei können sie sehr unterschiedlich wirken:

Werbung

In der Werbung findest du sehr häufig Neologismen. Oft handelt es sich dabei um Sprachspiele mit den Marken- oder Produktnamen. Durch den Neologismus bleibt die Werbung viel eher im Kopf und fällt auf. Merkst du dir die Werbung, merkst du dir gleichzeitig auch das Produkt.

Zum Beispiel:

  • Mit Actimel bist du garantiert jeden Morgen actimelisiert. ( Actimel-Werbung)

Literatur/Gedichte

Gerade in der Literatur und auch in Gedichten findet man sehr häufig Neologismen. Sie können eine Aussage verstärken, einen prägnanten Namen für eine Figur oder einen Gegenstand liefern, zusätzliche Bedeutung schaffen, die zum Erzählen der Geschichte benötigt wird. Außerdem können Neologismen auch auftreten, um einen bestimmten Rhythmus einzuhalten.

Zum Beispiel:

  • Sauron ( Herr der Ringe)
  • Thestrale ( Harry Potter)
  • der Klitterer ( Harry Potter)
  • Gum-Gum-Frucht ( One Piece)

Alltag

Im Alltag werden Neologismen oft gebildet, um exakte Dinge oder Phänomene zu benennen, für die es kein Wort gibt oder wenn einer Person das richtige Wort nicht direkt einfällt. Außerdem findest du auch generell viele Neologismen im Alltag, weil sie Teil der Sprachkultur sind. Da es sich dabei um Umgangssprache handelt, ist das sehr gut möglich Neologismen zu verwenden. In der offiziellen Kommunikation (also beim Amt, auf der Arbeit, in Briefen und E-Mails, etc.) solltest du auf Neologismen verzichten und Hochdeutsch sprechen bzw. schreiben.

Zum Beispiel:

  • Dein Rumgerenne geht mir auf die Nerven.
  • Lisas Auf-die-Nase-Binden von Rechtschreibfehlern finde ich anstrengend.
  • Es hat sich jetzt ausgelesen.

Jugendsprache

Ganz einfach gesagt: Jugendsprache ist das umgangssprachliche Deutsch, das Jugendliche untereinander sprechen. Es gibt dazu einen ganzen Forschungszweig: die Jugendsprachforschung.

Wichtig ist für dich: Jugendliche sprechen oftmals anders. Jugendsprache hilft ihnen dabei sich mit Gleichaltrigen zu identifizieren und das Zugehörigkeitsgefühl in Gruppen zu stärken. Beeinflusst wird Jugendsprache vor allem durch die sozialen Medien. Du findest daher sehr viele Anglizismen in der Jugendsprache. Es gibt dabei jugendsprachliche Neologismen, die allgemein bekannt sind. Es kann aber auch sein, dass eine bestimmte Gruppe ihre eigenen Neologismen bildet, um sich untereinander zu verständigen.

Zum Beispiel:

  • cringe
  • cutesy and demure
  • Filme schieben
  • Das crazy!
  • slay
  • delulu
  • Rede!

Wie erkenne ich einen Neologismus?

Einen Neologismus zu erkennen, kann herausfordernd sein. Gerade weil Neologismen viel in der Jugendsprache auftreten, haben auch deutsche Muttersprachlerinnen und Muttersprachler ihre Schwierigkeiten mit Neologismen. Dabei muss man nicht viel älter sein, um festzustellen, dass man nicht versteht, worüber die Jugendlichen gerade sprechen. Deshalb lass dich bitte nicht verunsichern von Neologismen!

Gerade wenn du erst Deutsch lernst, sind die sprachlichen Grundlagen sehr wichtig und Neologismen gehören definitiv zu den fortgeschrittenen Deutschkenntnissen. iQ Lingua hat deshalb ein paar Tipps für dich, damit dir der Umgang mit dem Neologismus leichter fällt! 🙂

1. Ein Wort ist dir nur zum Teil bekannt.

Du hast den Eindruck, du verstehst nur einen Teil des Wortes, aber einen anderen Teil nicht. Das kann ein Hinweis auf einen Neologismus sein. Denn: Wird beispielsweise ein deutsches Wort in einem Kompositum zu einem neuen Wort, erhält es eine neue bzw. zusätzliche Bedeutung, sieht aber gleich aus.

2. Ein dir bekanntes Wort hat im Kontext eine neue Bedeutung, die du nicht kennst.

Der Neologismus kann einem bekannten deutschen Wort oder Ausdruck eine neue Bedeutung geben. Es kann also sein, dass du das Wort kennst (weil du es bereits gehört oder gelesen hast), aber nicht die neue zusätzliche Bedeutung.

3. Dir fällt auf, dass das Wort vielleicht kein deutsches Wort ist.

Neologismen entstehen oftmals durch die Entlehnung von Fremdwörtern in die deutsche Sprache. Das heißt: Neologismen sind oft Anglizismen.

4. Achte auf das Alter der Personen.

Sehr häufig verwenden vor allem jüngere Personen Neologismen. Wenn du also mit Jugendlichen sprichst, ist es wahrscheinlicher einen Neologismus zu hören, als wenn du mit einer Seniorin sprichst.

5. Setze alle deine Sprachkenntnisse ein.

Neologismen sind oft Fremdwörter aus anderen Sprachen. Deshalb können dir deine Sprachkenntnisse von allen Sprachen, die du sprichst, dabei helfen, einen Neologismus zu verstehen.

6. Lass dich nicht verunsichern und frage einfach nach!

Egal, ob es sich um einen Neologismus handelt oder du ein Wort nicht verstehst: Du kannst immer direkt nachfragen, was ein Wort bedeutet! 🙂


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Tipps und Zusammenfassung zum Thema Nomen
  1. Ein Neologismus ist eine Wortneuschöpfung. Das heißt einfach gesagt: Ein Neologismus ist in der Regel ein Wort, das neu in der jeweiligen Landessprache ist.
  2. Ein Neologismus kann auf ganz unterschiedliche Weisen entstehen: durch die Entlehnung von Fremdwörtern, durch eine Bedeutungsänderung von bereits bestehenden deutschen Wörtern, durch verschiedene Wortbildungsmethoden (Derivation, Komposition, Konversion), durch die Bildung von Kunstwörtern oder die Kürzung von Wörtern.
  3. Einen Neologismus zu erkennen, kann herausfordernd sein. Halte dich am besten an die Tipps von iQ Lingua und lass dich nicht verunsichern! Du wirst den Neologismus ganz bestimmt meistern! 🙂
  4. Als rhetorisches Stilmittel kann der Neologismus ganz unterschiedlich wirken: eine Aussage verstärken, einen prägnanten Namen für eine Figur oder einen Gegenstand liefern, zusätzliche Bedeutung schaffen und dabei helfen, einen Rhythmus einzuhalten.

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